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Warum Private-Equity-Firmen die Voraussetzungen für die Gründung einer juristischen Person bei Carve-out-Geschäften kennen müssen

Grenzüberschreitende Carve-out-Geschäfte sind eine zunehmend beliebte Akquisitionsstrategie für Private-Equity-Firmen. Die Due-Diligence-Prüfung und eine gute Planung sind entscheidend, um das Risiko zu minimieren und sicherzustellen, dass ein ausgegliedertes Unternehmen bereit ist, um am Markt erfolgreich zu agieren. Ein entscheidender, aber oft übersehener Teil dieses Prozesses ist die Gründung einer juristischen Person.

Wir haben mit drei Expertinnen gesprochen, die zusammen über jahrzehntelange Erfahrung in der Beratung von Private-Equity-Firmen verfügen, um die Landschaft globaler M&A-Carve-out-Geschäfte und die Rolle der Gründung von juristischen Personen zu verstehen.

Tamara Sablic ist die kaufmännische Vertriebsleiterin von Vistra. Sie verfügt über 14 Jahre Branchenerfahrung und arbeitet mit globalen Private-Equity-Fonds und deren Portfoliounternehmen zusammen, um ihnen zu helfen, effizienter zu arbeiten. Maria Scofield ist Relationship Management Director bei Vistra und verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Unterstützung von Unternehmen in den Bereichen Private Equity, Immobilien und Risikokapital. Anastasia Williams leitet die kommerzielle Private-Equity-Einheit von Vistra in Nordamerika. Seit mehr als einem Jahrzehnt unterstützt sie globale Private-Equity-Fonds und deren Portfoliounternehmen bei der Expansion in neue Märkte.

Was ist ein Carve-out-Deal und warum sind diese in der Private-Equity-Branche derzeit so beliebt?

Tamara: Ein Carve-out ist der Verkauf einer bestimmten Geschäftseinheit eines globalen multinationalen Unternehmens. Bei einer großen Transaktion gibt es oft viele Bieter aus den Bereichen Private Equity, Risikokapital und Unternehmen. Obwohl es Carve-outs schon seit Jahrzehnten gibt, erfreuen sie sich zunehmender Beliebtheit, da es einen Überschuss an "Dry Powder" gibt, d. h. an Kapital, das von Investoren aufgebracht wurde, aber noch nicht in Investitionsmöglichkeiten eingesetzt wurde. 

Carve-outs können sowohl für die Verkaufenden als auch für Kaufende von Vorteil sein. Verkaufende können einen Geschäftsbereich veräußern, der möglicherweise nicht zu ihrer Strategie gehört oder nicht die gewünschte Leistung erbringt, und sie können die Mittel aus dem Verkauf für Reinvestitionen in andere Geschäftsbereiche verwenden. Für kaufende Unternehmen wie PE-Firmen (Private Equity) sind Carve-outs eine großartige Gelegenheit, ihr Portfolio zu stärken und Mittel zu beschaffen. Eine PE-Firma wird nach einem Unternehmen suchen, das in ihre Investitionsstrategie und ihre Fachgebiete passt und das potenzielle Synergien mit anderen Unternehmen in ihrem Portfolio aufweist.

Welche Rolle spielt die Gründung einer juristischen Person bei einem M&A-Carve-out-Geschäft, und warum ist der Zeitpunkt für PE-Kaufende so entscheidend?

Anastasia: Carve-outs sind komplizierter als eine vollständige Übernahme, da die gesamte Unternehmensstruktur des gekauften Unternehmens tatsächlich neu aufgebaut werden muss. Alle Dienstleistungen, die bei der Muttergesellschaft verblieben sind – wie Personal, IT, Finanzen und Gehaltsabrechnung – müssen für die ausgegliederte Geschäftseinheit eingerichtet werden. Um diese Prozesse zu etablieren, benötigt man zunächst eine juristische Person. Die Gründung einer juristischen Person ist nicht nur entscheidend für den Erfolg des Carve-outs, sondern erfordert auch viel mehr Zeit und Ressourcen, als PE-Firmen normalerweise erwarten. 

Maria: PE-Firmen müssen ihre Due-Diligence-Prüfung durchführen, um auf diese Phase des Prozesses angemessen vorbereitet zu sein, da die Gründung der Gesellschaft vor dem angestrebten Abschlussdatum abgeschlossen sein muss. In der Vereinbarung über Übergangsdienstleistungen (Transition Services Agreement, TSA) wird festgelegt, welche Dienstleistungen das verkaufende Unternehmen weiterhin erbringen wird (z. B. Lohn- und Gehaltsabrechnung oder Buchhaltung), während sich das kaufende Unternehmen auf die Übernahme und den Betrieb des neuen Unternehmens vorbereitet. Im TSA wird das Abschlussdatum festgelegt, d. h. der Zeitpunkt, zu dem die Kaufenden ein Unternehmen gegründet haben müssen, damit sie diese Dienstleistungen erbringen kann. Wenn die PE-Firma nicht in der Lage ist, bis zu diesem Datum eine Gesellschaft zu gründen, muss sie den TSA neu aushandeln oder eine andere Übergangslösung finden.

Tamara: Die Planung der Unternehmensgründung ist von entscheidender Bedeutung, um einen guten Start des Unternehmens zu gewährleisten. Der beste Weg, den Zeitplan einzuhalten, besteht darin, realistisch zu sein, sich vorzubereiten und dann loszulegen. Sobald sich eine Transaktion in der Pipeline befindet, sollte man ein Dienstleistungsunternehmen beauftragen, das bei der Unternehmensgründung unterstützt. 

Gibt es in den meisten Ländern ähnliche Strukturen für juristische Personen und die damit verbundenen Budgets und Fristen, oder gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern?

Tamara: Carve-outs wären viel einfacher, wenn jedes Land den gleichen Prozess für die Gründung einer juristischen Person hätte! Jede Rechtsordnung hat ihren eigenen Zeitplan für die Gründung einer juristischen Person, daher müssen PE-Firmen im Voraus planen und sich darauf vorbereiten. Meiner Erfahrung nach, die ich in über 100 verschiedenen Ländern gesammelt habe, sind die Vereinigten Staaten eines der schnellsten Länder, wenn es um die Gründung von Unternehmen geht. In den USA kann die Gründung einer neuen Gesellschaft nur wenige Stunden dauern, während sie in Ländern wie Brasilien oder Argentinien sechs Monate in Anspruch nehmen kann. In den meisten, wenn nicht allen Ländern, dauert es zwischen einigen Wochen und einigen Monaten, bis ein Unternehmen gegründet und in Betrieb genommen wird.

Anastasia: Neben den zeitlichen Aspekten ist es auch wichtig, die genauen Anforderungen für die Gründung eines Unternehmens in den verschiedenen Ländern zu kennen. In Frankreich muss man beispielsweise ein Bankkonto eröffnen, bevor man eine juristische Person gründen kann – und die Eröffnung eines Bankkontos in Frankreich kann ein bis zwei Monate dauern. Dadurch verzögert sich der gesamte Zeitplan für die Gründung einer juristischen Person erheblich. Deshalb ist es so hilfreich, einen Partner zu haben, der die Feinheiten der Anforderungen an die Gründung einer juristischen Person und die Zeitplanung in den verschiedenen Rechtsordnungen kennt. Andernfalls ist es für PE-Firmen sehr schwierig, den Zeit- und Kostenrahmen für die Gründung einer juristischen Person einzuhalten.

Welche Überbrückungsmöglichkeiten gibt es, während eine juristische Person gegründet wird?

Tamara: Die erste Möglichkeit besteht darin, den TSA zu verlängern oder neu auszuhandeln, um sicherzustellen, dass die Muttergesellschaft weiterhin Dienstleistungen erbringt, während die neue juristische Person gegründet wird. Eine Änderung des TSA‘s ist jedoch in der Regel mit höheren Kosten für die Kaufenden verbunden und kann zu Spannungen zwischen den Parteien führen. Die Kaufenden werden zusätzlich belastet und sie sind in der Regel nicht sehr erfreut über die Neuverhandlung.

Maria: Wenn wir sehen, dass ein Unternehmen nicht rechtzeitig zum angestrebten Abschlussdatum der Transaktion gegründet werden kann, empfehlen wir unter Umständen, für drei bis sechs Monate einen Employer of Record (EOR) einzusetzen, anstatt den TSA neu zu verhandeln. Ein EOR-Anbieter ist eine Drittorganisation, die eine Arbeitskraft im Namen eines anderen Unternehmens einstellt und bezahlt und die Verantwortung für alle formalen Beschäftigungsaufgaben übernimmt. Ein EOR ermöglicht es Unternehmen, Arbeitskräfte in einem neuen Land zu beschäftigen, ohne eine lokale Einheit zu benötigen und ohne Verstöße gegen die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu riskieren. Eine EOR kann manchmal eine gute langfristige Lösung sein, zum Beispiel, wenn das Unternehmen in einem Land mit nur einer oder zwei Arbeitskräften tätig ist und wenn das Geschäft in diesem Land nicht zu einer dauerhaften Niederlassung führt.

Gibt es in diesem Bereich etwas, das Kundinnen und Kunden und Interessierte regelmäßig falsch machen?

Maria: Es kommt darauf an, die richtigen Erwartungen zu haben. Ich erlebe oft, dass Kundinnen und Kunden den Zeitaufwand für die Gründung einer juristischen Person unterschätzen. Es kann manchmal Wochen dauern, nur um die Dokumente zusammenzustellen! Viele PE-Firmen mit Sitz in den USA sind mit der Gründung einer juristischen Person in den USA vertraut und gehen daher davon aus, dass der Prozess überall ähnlich abläuft. In vielen anderen Ländern – z. B. in Asien und Südamerika – ist der Prozess jedoch oft schwieriger und zeitaufwändiger als erwartet. Außerdem sind viele Arbeitsabläufe miteinander verknüpft. In diesem Prozess gibt es Unwägbarkeiten, die berücksichtigt werden müssen, z. B. die Notwendigkeit eines Bankkontos für die Lohnabrechnung. Wenn man sich nicht auf diese Komplexität vorbereitet, kann dies schwerwiegende Folgen haben – von der Nichtbezahlung der Arbeitskräfte bis hin zur Versäumung von Fristen für die Erteilung von Genehmigungen, die dem Unternehmen die Tätigkeit in dem Land ermöglichen.

Anastasia: Die Führung eines Unternehmens in Übereinstimmung mit den lokalen Gesetzen kann schwierig sein und man muss alle Compliance-Verpflichtungen kennen – von der Personalabteilung über die Gehaltsabrechnung bis hin zu den Unternehmenssteuern und mehr – bevor das Geschäft abgeschlossen wird. Diese Compliance-Verpflichtungen können sich von denen im Heimatland oder anderen Ländern, in denen ein Unternehmen tätig ist, stark unterscheiden. Wenn man die rechtliche Struktur des neuen Unternehmens im Voraus festlegt, können Dienstleistungsunternehmen und Experten gefunden werden, die benötigt werden, um allen Verpflichtungen von Anfang an nachzukommen. Andernfalls riskiert man, später Zeit und Geld zu verschwenden, ganz zu schweigen von möglichen Geldstrafen und Bußgeldern. 

Worauf sollten Kaufende bei der Auswahl von Dienstleistungsunternehmen zur Unterstützung eines grenzüberschreitenden Carve-out-Geschäfts besonders achten?

Tamara: Die Suche nach dem richtigen Partner, der bei der Transaktion unterstützt und eine verbindliche Anleitung gibt, ist für den Erfolg entscheidend – von der Wahl der richtigen Anwaltskanzlei im Zielland über die richtige Verwaltung bis hin zur richtigen Firma, die die Gehaltsabrechnung vor Ort durchführt und die Unternehmenssteuern abführt. Das Wichtigste ist, dass jemanden gefunden wird, der über Fachwissen in den für die Akquisition wichtigen Rechtsgebieten verfügt. Jedes Land hat seine eigenen Besonderheiten, so dass es von größter Bedeutung ist, einen Partner zu haben, der alle Komplexitäten und Nuancen verstehen und entsprechend beraten kann. Auch Projektmanagement-Know-how ist von entscheidender Bedeutung, um den Überblick über multinationale Unternehmen zu behalten.

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